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Heute ist Freitag, der 19. Juli 2024

Anregung zur Umlegung des Korbgeldes

Preistauben bezahlen das Korbgeld: Wie?

Vor der Reise bezahlt jeder aktiv reisende Züchter eine Pauschale in Höhe von 0,20 € (je Taube) je nach Anzahl der gesetzten Tauben des Vorjahres.

Beispiel:
Bei 333 gesetzten Tauben pro Jahr sind dies 66,60 €, mindestens aber eine Pauschale von 25,- €.

Außerdem kostet jede Preistaube 1,- €.

Spielt ein Züchter bei 333 gesetzten Tauben über die gesamte Saison 33,3 % Preis, dann ergibt das 111 Preise x 1,- € = 111,- € zuzüglich der Pauschale von 66,60 € ergibt das einen Betrag für eine Saison von 177,60 €.

Nach der herkömmlichen Rechnung würde das Korbgeld bei 333 Tauben à 53,3 Cent auch 177,60 € betragen.

Das setzt die Möglichkeit voraus, dass in der Reisesaison mehr Tauben gesetzt werden und Neuanfängern und Jugendlichen nicht gleich das Interesse am Taubensport genommen wird. Was nützt es, wenn man viele Tauben (d.h. seine ganzen Witwer) setzt und an Preisen am Sonntag dann fast leer ausgeht. Dann ist man auf jeden Fall sehr viel Geld los, was bei der neuen Regelung nicht passieren kann.

Die Taube hat eine längere „Überlebensdauer“ und wird nicht gleich in der Mitte bzw. fast zu Anfang der Saison wegen zu geringer Preisausbeute liquidiert. So kann die Taube ab 300 oder 400 km manchmal erst ihre Qualität aufgrund der größeren Chance unter Beweis stellen. Jeder Züchter weiß, dass manche Tauben für Überraschungen gut sind und durch Erfahrungen auf den Flügen vielleicht sogar Spitzenpreise – möglich ist auch ein 1. Konkurs – sowie Medaillenchancen oder eventuell zur Weitstreckenmeisterschaft zählen.

Beispiel:
Setzt ein Züchter 25 Tauben und macht nur 3 Preise, dann bezahlt er auch nur 3,- € Korbgeld und hat trotz allem die Freude, sonntags die Tauben kommen zu sehen, ohne dass es ihm Geld kostet.

Die Züchter, die eine Reiseleistung von über 33 % bzw. 50 % und mehr erzielen, zahlen sicherlich auch wohl gerne mehr Korbgeld. Das Resultat ist ja auch dann ja wohl eine der vorderen Plätze in der Meisterschaft.

Warum soll der Verlierer auch noch die Kosten anderer tragen?

Diese Regelung trifft nur für die Preisflüge zu. Bei den Vorflügen kann es bei der bisherigen Verfahrensweise bleiben.

Ich bin der Meinung, dass wir dadurch eine höhere Taubenzahl erreichen und eventuell dem Züchter-Rückgang Einhalt gebieten und manchen „bei der Stange“ halten.

Sicherlich ist das Vorbeschriebene noch nicht ausgereift, aber dennoch überlegenswert.

Ferner bin ich der Meinung, dass man eine separate Meisterschaft auf den letzten 7 Flügen ausfliegen sollte und kann.

Detail-Verbesserungsvorschläge werden jederzeit von mir gerne entgegengenommen, auch soll berechtigte Kritik geübt werden. Nur durch Kritik kann man die Sache verbessern.

Berend Ruwen





Interview-Bericht Nr. 2008/01:
„Fragestellung an bekannte Tierärzte“

Taubenkrankheiten sind eines der größten Probleme in unserem Brieftaubensport.
Für und Wider von Antibiotika

Fragen an die Tierärzte Dr. Henk de Weerd, Dr. Dr. habil. Heinz Schettler, Raf Herbots und Dr. Ludger Kamphausen

Frage 1): Was halten Sie vom Durchseuchen bei Jungtauben?




Dr. Henk de Weerd: Das Durchseuchen bei Jungtauben halte ich nicht für gut und es ist auch sicherlich keine Lösung. Was heißt Durchseuchen? Je nach Art der Erkrankung ist dieses immer neu zu beurteilen. Es sagt auch sicherlich nichts über die spezielle Art und Schwere der Krankheit aus. Je nach Befall und Art der Krankheit ist eine neue Beurteilung immer erforderlich.





Dr. Dr. H. Schettler: Ich meine, sagen zu dürfen, eine Seuche ist eine Krankheit mit einer hohen Todesrate. Durchseuchen ist ein schlechter Ausdruck für eine begrenzt gute Sache. Besser ist „Adaptierung an Keime des Bestandes“. Dazu muss man nicht die Jungtauben im Mist großziehen, es genügt, wenn man zugekaufte Tauben einige Wochen in einem separaten Abteil hält und dort trockene Einstreu auch mit dem Kotanteil aus dem Bestand versetzt.





Raf Herbots: Ich möchte mich zu dieser Frage im Moment noch nicht äußern, da ich noch nicht den Doktortitel erworben habe.





Dr. Kamphausen: Wenn mit dem Begriff „Durchseuchen“ gemeint ist, dass man die Jungtauben nicht sofort mit Medikamenten (z.B. Trichomonadenmittel) behandeln soll wenn sie abgesetzt werden, bin ich sehr dafür. Jungtauben sollten so lange als möglich ohne Medikamentengaben aufgezogen werden. Nur so werden sie in die Lage versetzt, ein gesundes Immunsystem aufzubauen. Man darf den Begriff „Durchseuchen“ aber keinesfalls so verstehen, dass man bei sichtbaren Krankheitsanzeichen nicht eingreift, sondern einfach abwartet, ob die Tauben selber damit fertig werden. Ein solches Verhalten könnte fatale Folgen haben. Jedes sichtbare Krankheitsanzeichen verlangt das Eingreifen des Züchters, in der Regel nach Rücksprache mit dem Tierarzt.



Frage 2): Denken Sie, dass zu oft Antibiotika prophylaktisch angewandt wird?

Dr. Henk de Weerd:

Nein, das denke ich nicht. Ich bin jedoch wie Du der Meinung, dass Antibiotika nach Untersuchung des Arztes gegeben werden sollte und nicht, wie es manchmal gehalten wird, „ich habe schon lange nichts gegen diese oder jene Krankheit gegeben“, also Anwendung nur nach Untersuchung vom Tierarzt.


Dr. Dr. H. Schettler:

Ich stimme Herrn Kamphausen zu, dass dieses sehr häufig von Züchtern blind und ohne Bedacht eingesetzt wird. Jedoch kann ich noch sagen, Einsatz von Antibiotika geht nur nach Verordnung. Aber meistens wird zu wenig eingesetzt, also unterdosiert als vom Arzt verordnet wird.


Raf Herbots:

Antibiotika prophylaktisch bei Tieren einzusetzen, die zum Konsum bestimmt sind, ist nicht anzuraten, weil sich hierdurch resistente Bakterien entwickeln können, die schädlich für den Menschen sind. Antibiotika prophylaktisch für Brieftauben einzusetzen, halte ich doch für einen großen Vorteil, um die Taube wieder in eine gute Kondition zu bringen. Man muss nur verstehen, dass Theorie und Praxis im Brieftaubensport sehr weit auseinander liegen.
Eine Taube die nach einem schlechten Flug nach Hause kommt, muss man so schnell wie möglich versuchen, wieder in eine gute Kondition zu bringen. Das kann man nur mit einer gezielten Antibiotika-Behandlung erreichen, es sollte natürlich immer vom Tierarzt eine entsprechende Behandlung vorgeschrieben sein.


Dr. Kamphausen:

Antibiotika werden in der Taubenhaltung viel zu häufig prophylaktisch angewandt. Immer noch setzen viele Züchter während der Reise einmal pro Woche ein Antibiotikum ein oder machen irgendwann im Jahr eine blinde Antibiotikumkur gegen irgendetwas. Dieser Unsinn muss endlich aufhören! Mit einem solchen Verhalten schadet man nicht nur den Tieren, sondern verhält sich auch verantwortungslos gegenüber der Allgemeinheit. Durch diesen unsinnigen Behandlungen werden resistente Bakterien herangezogen, die auf Antibiotika- Behandlungen nicht mehr ansprechen. Diese Bakterien können nicht nur andere Tiere, sondern auch den Menschen infizieren und zu nicht mehr heilbaren Krankheiten führen. Diese falschen Behandlungen waren ein wesentlicher Grund für die Verschärfung des Arzneimittelgesetzes und werden – wenn sie nicht aufhören – zu Recht zu weiteren Verschärfungen und Kontrollen führen.



Frage 3): Bis wann sollten die Jungtauben spätestens gegen Paramyxo geimpft worden sein?

Dr. Henk de Weerd:

Dieses ist ein Problem des Züchters, es wird immer zu lange herausgeschoben. Jedoch sollte man die Impfung frühestens ab der 5. Woche vornehmen. Man sollte auf keinen Fall warten, bis alle Jungtauben abgesetzt sind, sondern nach jedem Absetzen aber der 5. Woche eine Impfung vornehmen.


Dr. Dr. H. Schettler:

Die Jungtauben sollten bei den ersten Freiflügen gegen Paramyxo geimpft worden sein, um die Gefahr einer Ansteckung aus dem Wege zu gehen. Ansonsten schließe ich mich den Einschätzungen meines Kollegen Dr. Kamphausen an.


Raf Herbots:

Junge Tauben sollte man am besten gegen Paramyxo impfen, wenn sie 8 – 10 Wochen alt sind. In Problemfällen kann man im Alter von zwei Wochen diese Impfung schon machen, aber sie sollten wiederholt werden, wenn die Tauben 10 – 12 Wochen alt sind. Man kann natürlich die späteste Impfung eine Woche vor dem Einkorben machen. Es sollte immer so gehandhabt werden, dass die Inkubationszeit noch vor dem ersten Einkorben eintritt. Ich denke, jeder Züchter sollte nicht so unvernünftig sein und mit seinen Tieren so umgehen.


Dr. Kamphausen:

Die Frage sollte nicht lauten: „Bis wann sollten die Jungtauben geimpft sein“, sondern „wie früh können die Tauben geimpft werden!“ Je eher die Jungtauben geimpft werden, desto besser. Impft man nur gegen Paramyxoviose, sollten die Tauben direkt beim Absetzen geimpft werden. Impft man kombiniert auch gegen Pocken, sollten die Tauben mindestens 4 Wochen alt sein. Nach Herstellerangaben müssen sie 6 Wochen alt sein. Der späteste Zeitpunkt ist bei der reinen Paramyxoimpfung zwei Wochen vor der ersten Vortour, bei der kombinierten Impfung drei Wochen davor.



Frage 4): Wie lange wird die Paramyxoimpfung noch nötig sein und schadet es der Taube?

Dr. Henk de Weerd:

Die Paramyxoimpfung wird noch sehr lange nötig sein. Das Virus ist nicht auszumerzen. Ob es der Taube schadet, denke ich nicht. Im übrigen schreibt es auch der Gesetzgeber vor.


Dr. Dr. H. Schettler:

Die Notwendigkeit der Paramyxoimpfung richtet sich nach der Immunitätsanlage. Um dieses herauszufinden, müssen Antikörperteste aus dem Blutserum ermittelt werden. Die Kosten hierfür sind ein vielfaches höher als die jeweilige Impfung.


Raf Herbots:

Ich denke, dass man so lange die Brieftauben impfen muss, solange die wilden Tauben den Virus auf unsere Brieftauben übertragen können.


Dr. Kamphausen:

Die Paramyxoimpfung wird immer notwendig bleiben, weil es immer möglich ist, dass infizierte Wildtauben das Virus wieder auf die Haustauben übertragen. Außerdem wird mit dieser Impfung die gesetzliche Forderung erfüllt, dass alles Geflügel regelmäßig gegen die Newcastle-Infektion geimpft werden muss. Ein Ende der Impfpflicht wird es deshalb nicht geben. Die Impfung schadet den Tauben nicht. Immer wird wieder von Züchtern bemerkt, dass die Jungtauben kurz nach der Impfung krank werden. Dies liegt aber nicht an der Schadwirkung des Impfstoffes, sondern daran, dass die Tauben bei der Impfung bereits latent krank waren und dann der zusätzliche Stress die Krankheit auslöst. Es ist deshalb unbedingt nötig, sich zu vergewissern, dass die Tauben vor der Impfung auch tatsächlich gesund sind.



Frage 5): Was halten Sie von Paratyphusimpfung? Wenn ja, wann sollte man diese vornehmen und wie lange hält diese Schutzimpfung?

Dr. Henk de Weerd:

Von Paratyphusimpfung halte ich nicht viel. Die üblichen Impfstoffe sind überhaupt nicht effektiv und wenn schon eine einigermaßen Immunität aufgebaut wird, ist dieses nur kurzfristig. Der Impfstoff (nicht kommerziell hergestellt) von der Universität in Gent scheint besser wirksam zu sein! Allerdings ist das ein Öl-adjuvans Vakzin, was auch Gewebeschäden hervorrufen kann. Im Winter sehen wir hundert mal mehr Paratyphus wie im Sommer.


Dr. Dr. H. Schettler:

Hier möchte ich mich kurz fassen: Die Paratyphusimpfung ist eine notwendige Lösung im Kampf gegen die Salmonellose.


Raf Herbots:

Die Paratyphusimpfung ist meines Erachtens eine von den besten Impfungen bei Reisetauben. Man sieht deshalb den Unterschied in den Leistungen von den Tauben, die geimpft worden sind oder nicht. Sicherlich insbesondere, was die Jungtauben betrifft. Dies denke ich, ist auch gegen die sogenannte Jungtaubenkrankheit (Adeno) von Vorteil. Taubenzüchter, die sowieso Probleme mit ihrem Bestand haben und anfällig für Paratyphus sind, müssen ihre Tiere doch regelmäßig impfen.
Die Reisetauben sollte man am besten im Januar gegen Paramyxo und gegen Paratyphus im Februar/ Anfang März impfen.


Dr. Kamphausen:

Meine Meinung zur Paratyphusimpfung ist zwiespältig. Einerseits bietet die Impfung durchaus einen nicht zu verachtenden Schutz, andererseits wird die Gefahr der Verstreuung der Salmonellen größer, da geimpfte Salmonellen weiter verbreiten können, ohne selbst zu erkranken. Auch sehe ich die Gefahr von latenten Salmonellen-Infektionen, die schwer nachweisbar sind. In Beständen, die häufig Probleme mit Salmonellen haben, ist die Impfung durchaus sinnvoll, in Beständen ohne Probleme muss der Züchter selber entscheiden, ob er impfen will oder nicht. Wenn man die Impfung durchführt, ist prinzipiell egal, nur sie sollte weit genug vom Anpaarungstermin entfernt liegen (ich empfehle 6 Wochen) und mindestens drei Wochen vom Zeitpunkt der Paramyxoimpfung entfernt sein. Eine gemeinsame Impfung gegen Paratyphus und Paramyxo lehne ich ab. Die Angaben über die Dauer des Impfschutzes variieren zwischen den einzelnen Herstellern, manche Hersteller empfehlen eine Wiederholungsimpfung nach 6 Monaten, andere nach 9-12 Monaten.



Frage 6): Bei einigen meiner Witwer und Jungtauben brechen die Federn oberhalb des Kropfes ab. Besonders während der Reise. Was ist die Ursache und was kann man dagegen tun?

Dr. Henk de Weerd:

Es handelt sich dabei um Parasiten unter der Haut, die dann durch mechanische Bewegungen am Futtertrog abbrechen. Gute Ergebnisse hat man mit bestimmten Antiparasitica.


Dr. Dr. H. Schettler:

Das Abbrechen der Federn im Halsbereich kann durch Grabmilben verursacht werden. Hier ist auch eine Milbenbekämpfung im Schlag nötig.


Raf Herbots:

Hier habe ich doch eine etwas andere Meinung als der meiner Kollegen. Die Ursache dieser Krankheit ist bis heute nicht bewiesen. Man spricht, es käme vom Wetter, ... vom Stress im Korb usw. Es gibt keine einzelnen Hinweise auf diese Art der Krankheit, warum die Federn abbrechen. Was man wohl weiß, ist, dass ein Parasitenmittel aus Afrika hilft. Es ist ein Produkt, das man ins Badewasser gibt, wobei man den Tauben ein Pflichtbad, also ein Handbad, verabreicht. Die Erfolge werden meines Erachtens durch diese „Krankheit“ nicht beeinträchtigt.


Dr. Kamphausen:

Man vermutet bei diesem Krankheitsbild eine unter der Haut sitzenden Milbe. Die abgebrochenen Federn kommen dadurch zustande, dass die Taube aufgrund des Juckreizes ständig an dieser Stelle kratzt und selber die Federn abbricht. Wir setzen gegen diese Erscheinung ein Parasitenmittel ein, das auf die Haut getropft wird, von da aus über den Körper verteilt wird und dabei die Milben bekämpft. Die Federn kommen allerdings erst bei der nächsten Mauser wieder.


+++ Ende des Interviews +++


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